...die Zeit heilt alle Wunden ... hat man mir gesagt

Montag, Juni 20, 2016

Lieber Olli,
ich kann es immer noch nicht fassen, um diese Zeit vor 2 Jahren war ich auf dem Weg von Kiel mit dem Zug nach Hause. Ich hatte drei tolle Tage mit meiner Freundin und ihrer Tochter in Oslo. Am Abend vor unserer Heimreise hatten wir das Glück und besuchten das Konzert von Rea Garvey auf den Kieler Wochen. Wir hatten vorab keine Ahnung, das wir zu diesem Erlebnis kommen würden. Irgendwie war die ganze Reise wie verhext. Ich hatte mich über Mama geärgert. Hab ich doch die Nacht vor der Reise bei ihr übernachtet. Glaubst du sie hätte für mich das warme Wasser angeschaltet, damit ich morgens schön duschen kann. Ne die Mädels mußten da immer durch. Bei euch Jungs war sie da großzügiger, da wurde mit der Heizung nicht gespart "lach". Aber so war sie halt. Aber jetzt wieder zurück. Du kennst mich ja. An meinem Handy ist chronisch der Akku leer, irgendwie klappt das mit der Freundschaft zwischen mir und meinem Handy nicht, Gunther bringt das immer wieder auf die Palme. Deshalb hab ich ganz brav, am Abend vor der Heimreise mein Akku geladen. Damit da auch nix schief geht, hatte ich zwei Ladekabel im Gepäck. Mehr geht doch da wirklich nicht oder? Also das Handy die ganze Nacht an den Strom gehängt, aber es war wie verhext, am Tag der Heimreise war mein Akku leer und das sollte gut so sein (für mich war es gut, das die Deutsche Bahn noch so hinterm Mond ist). Die Heimfahrt war komisch. Alex und ich hatten echt ein merkwürdiges Gespräch. Ich weiß gar nicht wie wir darauf gekommen sind. Aber mit keiner Silbe hätte ich gedacht, das unser Gespräch mich so schnell so sehr einholen würde. Ich hab mich auch nicht gewundert, das Gunther Alex anrief um zu fragen, wann den genau unser Zug ankommt. Eigentlich dachte ich, er nimmt es mir bestimmt übel, das ich mal wieder nicht zu erreichen bin. Das kann er gar nicht haben. Aber es sollte alles ganz anders kommen. Zu diesem Zeitpunkt hattest Du unsere Welt schon verlassen. Als ich Rea Garvey geschaut habe, hattest du schon deinen Entschluss gefasst. An diesem Samstag im Zug so ohne Handyempfang wußten alle anderen schon, das du nicht mehr da bist, den die Polizei war mittlerweile bei Mama zu Hause um ihr das mitzuteilen. Ahnungslos stieg ich aus dem Zug und freute mich, als mein Mann und mein Kind am Bahnsteig standen, um mich abzuholen. Ahnungslos, nahm ich mein Mann und Kind freudestrahlend in den Arm um sie begrüßen. Ahnungslos ... aber ich sollte nicht lange ahnungslos bleiben. Mein Leben änderte sich von einer Sekunde zur nächsten, denn du bist nicht mehr da. Ich bin wütend auf dich und ich bin traurig. Die Zeit heilt alle Wunden ... hat man mir doch gesagt. Aber das stimmt so nicht. Ich vermisse dich. Ich hab dich unendlich lieb. Ich würd dich so gerne nochmal in den Arm nehmen und dir das einfach noch mal sagen. 


 Ich hab dich lieb großer Bruder



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6 x liebe Worte

  1. Oh, Tanja....manchmal holt es einen ein wie wenn man vom Bus überfahren würde.....ich drück Dich.

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  2. Liebe Tanja, deine Zeilen haben mich sehr sehr berührt. Sie haben mich sehr nachdenklich gestimmt und mir wieder gezeigt. Wie nah Leid und Freude doch zusammen liegen können. Ich habe nämlich heute Geburtstag und für mich ist der 20.6 ein besonderes Datum.... Leider nicht für dich. Das tut mir sehr leid. Fühle dich gedrückt, Christine

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  3. Ich drück dich...Die Zeit heilt nix...Es wird nur irgendwann erträglicher.

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  4. Wow, ein ganz besonderer Post und was war Dein Bruder für´n cooler Typ.

    Mir fehlen zu mehr die Worte, die für Dich auch völlig nutzlos wären. Verlust kann man nicht gut oder schön reden. Für Dein Bruder war es ein Weg, für Dich ist es eine Entscheidung, mit der Du leben mußt - ungefragt.

    Ich las einmal, daß wenn man an die Toten gut denkt, spüren sie etwas Gutes dort, wo auch immer sie sind. Ich wünsche Dir heute Nacht einen Traum mit Deinem Bruder, wo nicht Du ihn umarmst, sondern er Dich!

    Nana

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  5. Liebe Tanja,
    manchmal dauert die Zeit, die Wunden heilt einfach länger, Erinnerungen werden dich auch sicher immer wieder aufwühlen. Fühle dich ganz fest umarmt und gedrückt.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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